• Francois Hagdorn

Flavios Werdegang in die Landwirtschaft

Einer meiner youtube Zuschauer mit besonders wachem Blick sagt sinngemäß, dass Flavio vor allem Persönlichkeit hat. Ja, es ist schon erstaunlich und schön zugleich, WIE Flavio Entschlüsse fasste, um schließlich seinen Weg im Bereich Landwirtschaft zu gehen.

Dann ist ja auch der Spannungsbogen da. Der Besuch der konventionellen Berufsschule, hingegen der Ausbildungsort ein Demeter Hof war. So bekommt man Einblicke in unterschiedliche Welten Landwirtschaft zu denken.


Zum damaligen Zeitpunkt meiner Dokumentation mit Flavio, also im Frühjahr 2018, da hatte ich noch stark das Motiv in mir, dass ich junge Menschen in der Landwirtschaft zeigen möchte. Denn in der Öffentlichkeit weiß man doch recht wenige, was bei den wenigen Nachwuchsmenschen so die Gedanken sind. Damals noch, da hatte ich eine Zahl im Kopf: 30%. Heißt, als Zukunftsvision unterstütze ich mit Öffentlichkeitsarbeit, damit auch der Nachwuchs in den Städten wissen kann, wie schön, spannend und innerlich nährend die Betätigung in der Landwirtschaft sein kann. Damit meine ich jedoch vor allem die ökologische Landwirtschaft. Weil mein Bild von der konventionellen Landwirtschaft ist geprägt von einem weitaus größeren Einsatz von Maschinen. Und dort, wo es effizient zugeht, bleibt die Beziehung von Mensch mit Pflanze oder Tier auf der Strecke.


Nur mal als Vergleich: Auf dem Dottenfelderhof arbeiten ca. 140-160 Menschen. Bais ist eine Fläche von ca. 200 ha. Dieselbe Fläche bewirtschaftet ein konventioneller Betrieb mit 1-2 Menschen. Und, was bedeutet das hinsichtlich der Tiefe und der Vielfalt des Geschehens vor Ort? Wie ist die Erlebensqualität für den Menschen? Wie sind die Gestaltungsmöglichkeiten für die Menschen? Mein Bild ist so: Wer mit wenigen Menschen ein großes Rad dreht, der kann nicht individuell vorgehen. Da sind alle Abläufe, aber auch alle beteiligten Elemente, Pflanzen und Tiere, möglichst gleichförmig zu bewegen, möglichst dem Takt der Maschine anzupassen. Weil ja mit Handarbeit das große Volumen gar nicht bewältigt werden kann. Das geht jedoch so weit, dass die Landwirtschaft im großen Stil nicht mehr das Wohlergehen des Menschen ins Auge fasst, sondern, damit die Legosteiner perfekt zusammen passen, muss die Landwirtschaft exakt an die Anfordrungen der Maschinen angepasst werden. Ergo wird das Lebendige dem Toten angepasst. Wer braucht denn so etwas?


Zurück zu der Zahl 30%. Ich hörte vor einigen Jahren einen weisen Alten sagen: "Wir müssen für die Zukunft die Grundlage schaffen, dass wieder 30% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten können". Damit ist nicht die Forderung eines "Bauernstaates" gemeint, sondern darin liegt viel Weisheit, nämlich, dass es wieder Zeit und Raum braucht, und kleinbäuerliche Strukturen, damit sich Menschen mit Pflanzen und Tieren entwickeln können.


Die Coronazeit führt uns vor Augen, dass es ganz schnell zur Isolierung und Vereinsamung im Sozialen kommen kann. Wenn Erwachsene nicht mehr die Jobs in der Stadt erfüllen können, wenn Kinder nicht mehr draußen spielen, wenn Masken getragen werden müssen, wenn Berührung fremd wird, wenn das Smartphone zur Ablenkung von Große und Klein verwendet wird. Um abzulenken von der Tatsache, dass das Leben in der Stadt auf diese Weise nicht förderlich für das Wesen des Menschen sein kann, weil es dort, ich sage es wieder etwas platt, wenig gibt, das emotional seelisch Nahrung gibt. Aber jeder Erwachsene weiß, dass die Begegnung mit Pflanze und Tier stets das innere Erleben nähren kann. Jedem Kinde geht nach einem Tag auf dem Bauernhof das Herz auf.

Es ist an der Zeit Landwirtschaft neu zu denken. Ganz bestimmt nicht nur in die Richtung, wie mehr Ertrag entstehen kann, sondern wie mehr nährendes Erleben und innere Wohltat für sehr viel mehr Menschen möglich gemacht werden kann.


Mal sehen, was die Zukunft bringt. Die Betätigung in der Landwirtschaft sollte m.E. nicht belächelt oder unterschätzt werden. Die Bauern, insbesondere mit dem Hintergrund Bio und noch mehr Biodynamik (weil es hier noch über die landwirtschaftliche Sachkenntnis on top das private Studieren der Anthroposophie gibt, welches notwenig ist, um im landwirtschaftlichen Tun mehr von der Naturwirklichkeit ernennen zu können), das sind oft hoch qualifizierte Menschen, die es physisch und Interlektuell "echt drauf haben"- und, wenn die Herzqualitäten richtig angewendet werden, auch noch emotional Kompetent sind. Sprich, rundherum gestandene, schöne Menschen.

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